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Rhythmusspektakel mit Papa im Kopf

DARMSTÄDTER ECHO / 16.02.2004

Probenbesuch - Die 16 jungen Musiker der Gruppe „Djerimba" nutzen auch den eigenen Körper als Schlaginstrument     VON ALEXANDRA WELSCH

  
Schlagkräftig:  Die Gruppe "Djerimba" probt derzeit für die "Percussionnight" in der Orangerie, wo erstmals die
drei Schlagzeugensembles der Akademie für Tonkunst gemeinsam auftreten.            FOTO: JÜRGEN SCHMIDT

Sie schlagen sich auf die Oberschenkel und reiben mit ihren Handflächen über den Hosenstoff. Sie stampfen und schnipsen. Sie trampeln und klatschen. Und rufen „Tschike, tschaka, tschike!"
17 Jugendliche und ein Erwachsener stehen im Kreis und machen „Bodypercussion", ein rhythmisches Arrangement bei dem der Körper zum Schlaginstrument wird. - Ein kurioser Anblick!

Was im Ergebnis ein bisschen so klingt, als ob ein steppender Fred Astaire mit einem schuhplattlernden Alois Huber ein Tänzchen aufführt, braucht Konzentration und Koordination. Und kann einen offensichtlich ganz schön zur Verzweiflung bringen. „Ich kann's nicht, da kommt einfach kein Ton raus", ruft Sarah, die das mit dem Schnipsen nicht so richtig auf die Reihe kriegt - und zwar nicht als einzige. „Ihr müsst mal 'ne ganze Nacht schnipsen üben", rät Musiklehrer Thomas Weiler. „Ja, genau, heute, die ganze Nacht", antwortet Sarah genervt und lacht. „Warum könnt ihr das nicht, das ist doch voll einfach", befindet einer aus dem Hintergrund, während Sarah von ihrer Trommel-Nachbarin gute Ratschläge erteilt bekommt: „Du musst halt die Finger gerade machen."

„Samba Life" heißt das Stück von Eckhard Kopetzki, dass die Gruppe derzeit für die „Percussionnight" in der Orangerie probt. Zum ersten Mal stehen an diesem Abend die drei Schlagzeugen­sembles der Akademie für Tonkunst gemeinsam auf der Bühne - das Scottish Drumkorps, die Schlagzeugstudenten und eben die Percussiongruppe „Djerimba", die sich momentan wöchentlich im Schlagzeugraum der Akademie gemeinsam auf den Auftritt vorbereiten. 

„Tempo!", ruft Lehrer Weiler - im Mund eine Trillerpfeife, mit der er schiedsrichterlich Pausen einleitet und - „rattattattattatta" - Solos anordnet, während er im Takt vor sich hin marschiert. Und den jungen Musikern Beine macht. „Okay, einmal Schnelldurchlauf. Maximal fünf, sechs Takte, und schwups kommt der nächste Break."

Djembe, Bongo oder Surdo heißen die Schlaginstrumente, die die jungen Musiker im Alter zwischen 11 und 19 Jahren vor die Hüfte geschnallt oder vor sich auf dem Boden stehen haben. Sie spielen mit den Fingerspitzen, bearbeiten die Felle mit Handflächen und -ballen, Holzstöcken oder wattierten Klöppeln, die an Klobürsten erinnern. Ein Schlagstock sieht aus wie ein riesiger Zahnstocher, der über das Fell schnalzt. Das Ergebnis ist ein vielschichtiges wuchtiges Rhythmusspektakel, bei dem auch der Körper des Zuhörers stellenweise zum Resonanzraum wird.

„Das ist eine Spaßgruppe, die verschiedene Stile unter einen Hut bringt", erläutert Lehrer Weiler. Sie verfolgten nicht nur eine Schiene, sondern mischen afrikanische, lateinamerikanische oder karibische Einflüsse. Laut Weiler bei 16 Instrumentalisten alles eine Frage der Teamarbeit. „Was Spaß macht ist, dass jeder mitdenken muss", findet er. „Das ist im Computerzeitalter scheinbar eine Seltenheit."

Noten sind dazu nicht unbedingt nötig. Als taktgebende Eselsbrücke fungieren vielmehr Worte, deren Silben einen Rhythmus vorgeben. „Papa, geh' doch mal weg, ich kann's", steht auf dem Blatt, das die Schüler vor sich haben. Oder „ich begreif das in 20 Jahren nicht". Oder auch schlicht: „Triole, Triole back!" Ansonsten gilt, so Weiler: „Die Figuren kommen aus dem Bauch."

Das ist es auch, was Tomspielerin Sarah daran so mag. „Es ist unheimlich viel Improvisation", sagt die Achtzehnjährige, die ansonsten Schlagzeugerin ist. „Ich finde es genial, in einer Grup­pe zu spielen, die mal was ande­res macht." Und Adrian - 15 Jahre alt und eigentlich Klavierspieler mag, „dass mehrere Zusammen­spielen. Klavier spielt man ja immer alleine."

Solo. Dialog von Djembe und Bongo. Dann setzen wieder alle ein. Wuchtig. Gegenschläge aus der Glocke. „Ihr müsst es fühlen, Leute", stachelt Weiler seine Mannschaft an, die derweil nur eins im Kopf hat: „Papa, geh’ doch mal weg ich kann’s.“

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